Ein Revolver, zwei Antriebe – Null Zeitverlust

Traub Bild1Der Lang-/Kurzdrehautomat TRAUB TNL32 ist um eine Variante erweitert worden. Bei dieser Ausführung ist die Gegenspindel auf einem separaten Kreuzschlitten mit X- und Z-Achse aufgebaut. Die Bearbeitungsaufgaben für die Werkstückrückseite übernimmt einer der beiden X/Y/Z-Revolver. Beide Werkzeugträger sind sowohl an der Hauptspindel als auch an der Gegenspindel einsetzbar. Mit dieser Weiterentwicklung wird das Bearbeitungsspektrum auf Werkstücke über 300 mm Länge erweitert, welche dann durch die Gegenspindel abgeführt und auf ein Transportband abgelegt werden können. Mechanisch wie auch steuerungstechnisch ist diese Maschinenvariante weitgehend identisch mit der bekannten TNL32. Sie setzt in dem Markt für Lang- und Kurzdrehautomaten neue Maßstäbe: Einem noch großzügigeren Arbeitsraum, Zehn-Stationen-Revolvern, höheren Leistungsdaten und als Highlight der sogenannte „Dual Drive“ – ein Revolver, der mit zwei integrierten Antriebssträngen Nebenzeiten deutlich verkürzt.

Zwischen Kurz- und Langdrehen einfach umrüsten

Mit wenigen Handgriffen werden die Langdreher auf den Kurzdrehbetrieb umgebaut und umgekehrt. Der extrem große Z-Verfahrweg des Spindelstockes ermöglicht die richtige Positionierung der Hauptspindel, entweder für das Langdrehen oder für das Kurzdrehen.
Großzügiger Arbeitsraum mit innovativen inneren Werten

Augenfälligstes Merkmal der TNL32-Baureihe ist der deutlich vergrößerte, großzügige und bedienerfreundliche Arbeitsraum. Die TNL32 verfügt über einen Zehn-Stationen-Revolver. Die Revolverschaltung erfolgt mittels einer NC-Rundachse, die die Bewegung über ein Zykloidengetriebe steuert. Dadurch kann der Revolver in jede beliebige Position geschaltet werden, ohne dass eine mechanische Verriegelung erforderlich ist. Die freie Positionierung des Revolvers ermöglicht Mehrfachwerkzeugbelegungen an jeder Station, so dass der obere Werkzeugträger mit bis zu 30 Werkzeugen bestückt werden kann. Durch den Entfall der mechanischen Verriegelung werden Span-zu-Span-Zeiten von 0,3 sec. realisiert.
Weiteres innovatives Highlight ist der „Dual Drive“ – zwei in einem Revolver integrierte Antriebe. Diese pfiffige und patentierte Antriebslösung mit zwei getrennten Antriebssträngen in einem Revolver reduziert die Nebenzeiten und damit auch die Stückzeiten auf ein Minimum. Die genial einfache Idee: Während ein Werkzeug im Eingriff ist, kann das für den nächsten Arbeitsschritt vorgesehene Werkzeug hauptzeitparallel auf die gewünschte Drehzahl beschleunigen und steht nach der Revolverschaltung sofort mit voller Drehzahl zur Verfügung. Ruckartige Beschleunigungen und Verzögerungen, die bisher zur Nebenzeitminimierung unumgänglich waren, gehören damit der Vergangenheit an.
Der Anwender profitiert dabei zusätzlich von dem Vorteil, dass der Werkzeughalterverschleiß durch die niedrigen Beschleunigungswerte drastisch reduziert wird. Die Span-zu-Span-Zeiten liegen auch bei angetriebenen Werkzeugen unter 0,3 Sekunden.

Verbesserte Werkzeugaufnahmen

Das Werkzeughalterprogramm ist zur TNL18-Baureihe weitestgehend kompatibel – lediglich die Antriebsräder der angetriebenen Werkzeughalter werden bei Bedarf getauscht. Für beide Varianten kommt das TRAUB Kompaktschaftsystem zum Einsatz: Ein verbessertes System zur hochgenauen Aufnahme von Werkzeughaltern im Revolver. Die Werkzeughalter sitzen tiefer im Revolver als bei handelsüblichen Systemen, was zu geringeren Hebelwirkungen und damit zu höherer Steifigkeit führt. Bei angetriebenen Werkzeughaltern ermöglicht der große Schaftdurchmesser den Einbau von Wälzlagern mit ebenfalls großen Durchmessern. Mittels Schnellwechselsystem können Werkzeuge ohne Ausbau des Werkzeughalters hochgenau und zügig ausgetauscht werden. Das Kompaktschaftsystem erhöht nachweislich die Werkzeugstandzeiten und hat auch Einfluss auf eine verbesserte Oberflächengüte.

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Über die Simultanbearbeitung mit mehreren Werkzeugen gewährleisten beide Drehautomaten hohe Produktivitätswerte. Bis zu drei Werkzeuge sind dabei an zwei Spindeln gleichzeitig im Einsatz. Anders als bei der TNL32 wird bei der TNL32P die Y-Achs-Bewegung des oberen Revolvers durch Interpolation der Achsen X/C/H abgebildet. Fräskonturen lassen sich selbstverständlich durch Eingabe im üblichen kartesischen Koordinatensystem X/Y/Z erstellen. Außermittiges, achsparalleles Bohren ist auf diesem Weg ebenfalls problemlos möglich. Eine leistungsstarke, schwenkbare Gegenspindel sitzt auf einem X/Y/Z Kreuzschlitten, der gleichzeitig den unteren Werkzeugrevolver trägt. Dieser Schlitten zeichnet sich durch große Achs-Verfahrwege aus. Der Weg zur dreiachsigen Rückseitenbearbeitung, auch für geometrisch komplexe Werkstücke, ist frei. Bei dieser Gegenspindelvariante wird die Maschine immer mit einem soliden Rückapparat ausgestattet. Er nimmt 8 Werkzeughalter auf, wovon drei angetrieben werden können. Insgesamt 4 Stationen sind mit einer inneren Kühlmittelzufuhr versehen. Jede Station ist einzeln ansteuerbar, so dass Schneidöl gezielt zugeführt wird. Die großen Verfahrwege der Gegenspindel ermöglichen dabei Mehrfachbelegungen der Stationen (z. B. Doppelbohrhalter). Neu ist das ausgeklügelte Antriebsschema für die eingesetzten Werkzeughalter, welche wahlweise hohe Drehzahlen oder ein hohes Drehmoment liefern. Über die integrierte Werkstückabführung kann das Werkstück ausgespült oder optional positioniert abgegriffen und abgelegt werden.
Alternativ kann die TNL32 nun mit einer autonomen Gegenspindel versehen werden. Auf einem X/Z Kreuzschlitten ist eine von den Leistungsdaten zur Hauptspindel identische Gegenspindel montiert. Neu ist, dass Teile mit einer Länge > 300 mm bis zu einem Durchmesser von 30 mm jetzt durch die Gegenspindel abgeführt werden können.

Praxiserprobte Steuerungsfamilie

Bei der TNL32 kommt die TRAUB-Steuerung TX8i-s und bei der TNL32P die TX8i-p zum Einsatz. Beide Steuerungen basieren auf der CNC-Steuerung eines weltweit führenden Steuerungs-Herstellers, während die Bedienfeldsoftware beider Steuerungen – wie alle seit mehr als 30 Jahren entwickelten Versionen – eine hundertprozentige TRAUB-Eigenentwicklung ist.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Es muss nicht auf standardisierte Software-Produkte
zurückgegriffen werden, sondern Kunden- und Anwendungsbedarf können optimal abgebildet und in die Entwicklung mit einbezogen werden.
Selbstverständlich sind beide Steuerungen kompatibel zu allen vorherigen TRAUB-Steuerungen, so dass bestehende Programme genutzt werden können.

Argumente, die für die Steuerung sprechen:
– Zeit reduziertes Rüsten durch höhere NC-Performance,
– wechselseitiges Programmieren, Optimieren und Simulation im Dialog oder im NC-Modus möglich, (TX8i-s integriert, TX8i-p über externe Anwendung CNC-Client)
– Fehlervermeidung und Rüstzeitreduzierung durch objektorientierte Dialogführung,
– feinfühlige Werkzeugbruch- und Verschleißüberwachung,
– kompatibel mit allen bisherigen TRAUB-Steuerungen,
– hohe Verfügbarkeit,
– optimaler Support, da Maschine, Steuerung und Antrieb aus einer Hand sind.

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Für komplette und komplexe Bearbeitung
Geringer Platzbedarf und gute Zugänglichkeit

Durch das senkrechte Maschinenbett ist nicht nur der Spänefall günstig, sondern auch die Aufstellmaße äußerst kompakt. Dazu trägt auch der im oberen Bereich der Maschine integrierte Schaltschrank bei. In vorhandene Maschinengruppen lässt sich der Drehautomat also platzsparend einbinden. Der Arbeitsraum ist durch seine ausgesprochen hohe und breite Schiebetür für den Bediener leicht zugänglich und eröffnet viel Raum für Einrichte- oder Umrüstarbeiten. Über ein groß dimensioniertes Sichtfenster lässt sich der Zerspanungsprozess gut im Blick behalten. Ein weiteres Plus: Mit nur wenigen Handgriffen lässt sich im Servicefall die rückseitige Verkleidung lösen und die volle Zugänglichkeit zu den mechanischen Baugruppen herstellen. Die hydraulischen und pneumatischen Komponenten sind ebenfalls auf der Rückseite der Maschine frei zugänglich angeordnet und mit einem Blick leicht zu erfassen.

Zielgruppe des Lang-/Kurzdrehautomaten TNL32 mit Zehn-Stationen-Revolver und „Dual Drive“ ist der gesamte Maschinenbau, die Automobil- und die Hydraulikindustrie, sowie die Medizintechnik. Seine Stärken spielt er vor allem da aus, wo sowohl einfache, kleine als auch geometrisch hochkomplexe Teile aus allen Branchen, von der Medizintechnik, über die Hydraulik- bis zur Automobilindustrie, mit einem maximalen Stangendurchlass von 32 mm bearbeitet werden.

Autor: Redaktion

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