Bohrerstummel lassen sich durch erodieren leicht entfernen

Bild1: Das eromobil® arbeitet mit manuellem Vorschub.

„Was tun, wenn ein Gewindebohrer bricht?“

Diese Frage stellt sich für Gerd Pohl, der darauf spezialisiert ist Großdrehteile herzustellen, seit Neustem nicht mehr. Er hat schon die unterschiedlichsten Methoden ausprobiert und ist froh, nun ein eromobil® von Waldmann & Weigl in seinem Betrieb zu haben.

Ein Gewinde bis tief an den Bohrungsgrund einzubringen ist immer mit dem Risiko verbunden, dass der Gewindebohrer bricht. „Da geht’s halt knapp her“, kommentiert Pohl solche Fälle. Als es wieder einmal passiert, ist es ein Hydraulikbauteil, in das quasi zum Schluss in einer Querbohrung noch ein Gewinde einzubringen ist. Für die Verhältnisse des im schwäbischen Schönaich ansässigen Familienunternehmens ist der gut 1,5 Meter lange Zylinder zwar ein relativ kleines Bauteil; der Schaden, das fast fertige Teil zum Ausschuss zählen zu müssen, wäre dennoch groß. „Wir fertigen Einzelteile und kleine Serien bis 2,5 Meter Durchmesser und vier Meter Länge“, erzählt Pohl, der sich in seiner langen Berufspraxis an so manch gebrochenen Gewindebohrer und auch an etliche Versuche erinnert, die Bauteile zu retten.

Er hat schon so genannte Gewindebohrer-Ausbohrer probiert und dabei die Erfahrung gemacht, dass dieses Verfahren sich vor allem dann als extrem schwierig erweist, wenn der Bohrerstummel keine ebene Bruchfläche hat. „Und das ist nun mal eher die Regel, genauso sicher wie ein Butterbrot mit der geschmierten Seite auf den Boden fällt“, assoziiert Pohl. Eine andere nach seiner Erfahrung ebenfalls sehr mühselige Methode ist der Einsatz einer Gewindekrone, deren Stege man in die Nuten des Bruchstücks einführt und dann versucht, durch Hin- und Herbewegen den Stummel zu lösen. „Letztlich blieb oft nur brachiale Gewalt, um mit einem Durchschläger das Bruchstück zu zertrümmern“, resümiert Pohl.

Bild2: Der eromobil-Schwingkopf wird in die Maschinenspindel eingewechselt.

Bild3: Zum Erodieren wird die im Betrieb übliche Bohremulsion zugeführt.

Mit dem eromobil® von Waldmann & Weigl hat er ein Verfahren gefunden, das einfach einsetzbar ist und zuverlässig funktioniert. Damit lassen sich Bohrerstummel in kurzer Zeit herauserodieren, ohne dabei das Bauteil zu beschädigen. Das eromobil® gibt es für Gewinde von M2 bis ca. M40 und deckt so die gesamte Durchmesserpalette der Pohl Groß-Drehteile oHG ab. Der Schwingkopf des kleinen roten Helfers ist standardmäßig mit einer Zylinderschaftaufnahme (Ø 12 mm) ausgerüstet und in die Maschinenspindel oder optional mit MK-2/MK-3-Aufnahme direkt in die Pinole einwechselbar. „Wir können den Schwingkopf direkt in die Bohrmaschine mit der wir den Gewindebohrer eingesetzt haben einwechseln, ohne dazu das Bauteil umspannen zu müssen. Das funktioniert sogar bei Horizontalmaschinen“, bestätigt Pohl, der damit vor allem die Kühlmittelversorgung anspricht. Gearbeitet wird beim Erodieren nämlich mit der im Betrieb üblichen Bohremulsion als Kühlflüssigkeit.

In den Schwingkopf werden Kupfer-Hohlelektroden beziehungsweise Spezial-Hohlelektroden aus Wolfram-Kupfer zum Erodieren von Vollhartmetall-Werkzeugen eingespannt. Die Elektroden sind im Durchmesser kleiner als das abgebrochene Werkzeug und bauen beim Erodieren nur dessen Kernstück ab. Das in den Gewindegängen verbleibende Material löst sich und ist nun leicht zu entfernen. Seine Energie erhält das eromobil® von einem robusten Generator, der auf einem praktischen Rolltisch untergebracht ist. Dort ist auch Platz für die Kühlmittelpumpe und einen Kühlmittelbehälter. Selbstverständlich hat Waldmann & Weigl hier sogar an einen Werkzeugkasten für die Unterbringung der Hohlelektroden am Einsatzort gedacht.

Bilder:

Bild1: Gearbeitet wird beim Erodieren mit dem eromobil® mit manuellem Vorschub, wobei eine Funktionsleuchte die optimale Arbeitsleistung anzeigt.

Bild2: Der eromobil-Schwingkopf wird an Stelle des abgebrochenen Werkzeugs in die Maschinenspindel eingewechselt.

Bild3: Zum Erodieren wird die im Betrieb übliche Bohremulsion zugeführt.

John Großpietsch

Autor: John Großpietsch

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